Der Ostdeutsche Bund

Die Wappen der aktuellen und ehemaligen Mitgliedsbünde des Ostdeutschen Bundes

Der Ostdeutsche Bund geht zurück auf ein 1893 geschlossenes offizielles Verkehrsverhältnis zwischen den Burschenschaften Bruna Sudetia Wien und Allemannia Graz. 1894 wurde dieses Verkehrsverhältnis auf die Burschenschaft Libertas Brünn ausgedehnt, an deren Gründung Hubert Bartsch, ein in Brünn studierender Allemanne, wesentlichen Anteil hatte und die von Bruna Sudetia Wien gefördert wurde. Zu diesem Verkehrsverhältnis kam die Prager Burschenschaft Arminia, als sie anläßlich ihrer Aufnahme in den Linzer Delegiertenconvent 1896 mit Allemannia und Bruna Sudetia und 1898 mit Libertas ein offizielles Verkehrsverhältnis einging.

Wesentlichen Anteil hatte das Verkehrsverhältnis an der Gründung der "Burschenschaft der Ostmark" 1907. Der Geschäftsleitung in Linz gehörten als Obmann von 1907-1920 Dipl.Ing. Hans Czermak (Allemannia Graz), als Stellvertreter Dr. Hugo von Claucig (Pappenheimer Innsbruck) und als Säckelwart cand. phil. Robert Schwimmer (Bruna Sudetia Wien) an. Weiters war bis zur Auflösung der Geschäftsleitung infolge des Zusammenschlusses der Burschenschaft der Ostmark mit der Deutschen Burschenschaft 1920, Landgerichtsrat Karl Scholz Arminia Prag) als Obmannstellvertreter (1913-1920) und Obmann des Ausschusses zur Ausarbeitung eines gemeinsamen Paukkommentes in der Burschenschaft der Ostmark führend tätig.

1907 kam es auf Grund einer Mensurangelegenheit eines Prager Arminen in Wien zu Differenzen zwischen Bruna Sudetia und Arminia, die zu einer vorübergehenden Spaltung des Verkehrsverhältnisses führten. Trotz des bis dahin erfolgreichen gemeinsamen Auftretens in burschenschaftlichen Belangen und der freundschaftlichen Beziehungen untereinander, kam es bis 1914 zu Hatzen zwischen den beiden Gruppen Allemannia und Arminia einerseits und Bruna Sudetia und Libertas andererseits.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges führte ein von Dr. Franz und Dipl.-Ing. Hinterberger (Bruna Sudetia) mit Dipl.-Ing. Czermak (Allemannia) verfaßter, an die Altherrenverbände der vier Burschenschaften gerichteter Brief zur Besinnung auf die Gemeinsamkeiten und die jahrelange erfolgreiche Arbeit der Bünde.

Die Vereinigung der Burschenschaft der Ostmark mit der Deutschen Burschenschaft legte außerdem einen Zusammenschluß gleichgesinnter Burschenschaften nahe. Wesentlich für die vollständige Einigung und die Wiederaufnahme des Verkehrsverhältnisses (1921) waren außerdem viele persönliche Freundschaften, die die Jahre der Spaltung überdauert hatten. Der Beitritt der B! der Pappenheimer Innsbruck erweiterte das Verkehrsverhältnis auf fünf Burschenschaften an fünf "ostdeutschen" Hochschulen.

Alte Richtlinien wurden durch ein neues Übereinkommen ersetzt, dessen wichtigste Punkte die gegenseitige Unterstützung, die Pflege wahrer Freundschaft und das gemeinsame Vorgehen in studentischen, burschenschaftlichen und völkischen Fragen waren. Am Burschentag 1921 kam es nicht zuletzt auf Grund guter Beziehungen der Prager Burschenschaft Arminia zum Süddeutschen Kartell zu einer Arbeitsgemeinschaft mit diesem, die 1923 zu einem Arbeitsabkommen auf der Grundlage der Richtlinien des Verkehrsverhältnisses erweitert wurde. Dieses Arbeitsabkommen wurde 1924 bzw. 1925 auf Alemannia Stuttgart und Cheruskia Dresden erweitert.

Der Name "Ostdeutscher Bund" (OB) wurde auf einer Sprechertagung 1922 angeregt und ab 1924 offiziell geführt.

Nachdem die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges heimatvertriebenen Burschenschaften Liberias Brünn und Arminia Prag ihren Aktivbetrieb in München wieder eröffnet hatten (1952), wurde der Ostdeutsche Bund mit Allemannia Graz und Bruna Sudetia Wien wieder offiziell installiert und das Arbeitsabkommen mit dem Süddeutschen Kartell wieder aufgenommen.

Die Burschenschaft der Pappenheimer Innsbruck hatte sich auf Grund der unsicheren Nachwuchssituation aufgelöst, einige Pappenheimer hatten sich Bruna Sudetia angeschlossen, der überwiegende Teil der Burschenschaft Suevia Innsbruck.

1958 übersiedelte Libertas Brünn nach Aachen. Die Diskussion über den Vorschlag von Bruna Sudetia, den Ostdeutschen Bund in ein Kartell umzuwandeln, führte 1962 zu einer neuen Satzung, in der ausdrücklich festgehalten ist, daß es sich beim Ostdeutschen Bund nicht um ein Kartell, also um eine Burschenschaft an mehreren Orten, sondern um ein Verkehrsverhältnis handelt. Ebenfalls 1962 kündigte der Ostdeutsche Bund das Arbeitsabkommen mit dem Süddeutschen Kartell, da sich wegen der unbestimmten Haltung des SK zur Fusion von DB und DBÖ die Zusammenarbeit als unfruchtbar erwiesen hatte.

Im Wintersemester 1965/66 übersiedelte die Prager Burschenschaft Arminia nach Bochum.

Anläßlich ihres 100. Stiftungsfestes 1969 schenkte Allemannia Graz allen Mitgliedsbünden des OB ein mit allen Zirkeln und der Aufschrift "Ostdeutscher Bund" besticktes Band in ihren Farben, das seit 1978 von allen Sprechern auf allen Veranstaltungen getragen wird.

Durch die offizielle Aufnahme der Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken, zu der langjährige Kontakte und deren gutes Verhältnis mit Arminia geführt hatten, wurde der Ostdeutsche Bund am Burschentag 1977 in Linz wieder zu einem Zusammenschluß von fünf Burschenschaften. Am gleichen Burschentag wurde beschlossen, neue Satzungen für den Ostdeutschen Bund zu erstellen. Diese Aufgabe übernahm Libertas Brünn.

Die neuen Satzungen, in denen unter anderem das Verhältnis der Mitglieder des Ostdeutschen Bundes untereinander neu geregelt wurde (verpflichtende Anrede "Du" und "Bundesbruder", Sitz-, Rede- und Stimmrecht auf allen Conventen einer OB-Burschenschaft, Sitz- und Rederecht auf Generalconventen), konnten 1978 beschlossen werden. Der Ostdeutsche Bund ist jedoch nach wie vor ein Verkehrsverhältnis und kein Kartell.

Noch immer wird der Ostdeutsche Bund von persönlichen Freundschaften getragen. Treffen finden vor allem bei Stiftungsfesten und auf

Burschentagen, aber auch auf Schilagern und Ausflügen statt. Ein gemeinsames Vorgehen in allen burschenschafrlichen und politischen Angelegenheiten wird durch OBConvente, die zumindest vor jedem Burschentag stattfinden, gewährleistet.

Seit 2005 gehört die Prager B! Arminia dem OB nicht mehr an.

Bekannte Mitglieder der Burschenschaften des Ostdeutschen Bundes

  • Rudolf Berger (?-1942), Abgeordneter zum österreichischen Reichstag und böhmischen Landtag, Großkaufmann in Santiago de Chile
  • Dr. Ferdinand Falkensammer (?-1953), Abgeordneter zum  oberösterreichischen Landtag, Präsident des oberösterreichischen Industriellenverbandes, Präsident der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Präsident der Österreichischen Brau-AG
  • DI Dr. Oskar Hausmann (?-1976), Hochschulprofessor an der TH Wien
  • Dr.-Ing. Franz Heinl (?-1950), Hochschulprofessor an der TH Brünn
  • Dr. Ludwig Kerschner (?-1911), Universitätsprofessor an der Universität Innsbruck
  • DI Dr. Gunther Lock (1900-1988), Hochschulprofessor an der Universität Linz
  • DI Dr. Franz Lejeune (?-1967), Hochschulprofessor an der TH Wien
  • Frank Peschka (?-1908), Abgeordneter zum österreichischen Reichstag und böhmischen Landtag, Deutscher Landsmannminister, Gründer der Deutschen Agrarpartei
  • Dr. Anton Piëch (1894-1952), Rechtsanwalt, Teilhaber an der Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH, Hauptgeschäftsführer der Volkswagenwerk G.m.b.H., Geschäftsführer der Porsche-Konstruktionen-Ges.m.b.H. (heute Porsche Holding)
  • Dr. Ing. h.c. Ferdinand Porsche (1875-1951), Konstrukteur, Generaldirektor sowie Entwicklungs- und Produktionsleiter der Oesterreichischen Daimler-Motoren-Gesellschaft, 1917 Ehrendoktor der TH Wien, Inhaber des Offizierskreuz des Franz-Josephs-Ordens, Leiter des Konstruktionsbüros und Vorstandsmitglied der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG), 1924 Dr.-Ing. ehrenhalber der Technische Hochschule Stuttgart, Gründer der Dr. Ing. h. c. F. Porsche Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Konstruktionen und Beratungen für Motoren und Fahrzeugbau, Erfinder des KdF-Wagen bzw. VW Käfer, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Aufsichtsrats der Volkswagenwerk G.m.b.H., Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft, 1940 Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Stuttgart, Gründer der Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH, Geschäftsführer der Porsche-Konstruktionen-Ges.m.b.H. (heute Porsche Holding)
  • DI Dr. Ernst Reichel (?-1934), Hochschulprofessor an der TH Charlottenburg
  • Dr. Julius Roller (1832-1946), Abgeordneter zum österreichischen Reichsrat und böhmischen Landtag, Justizminister (1920-1927), Präsident des Obersten Gerichtshofs, Obmann des Kinderschutzvereins
  • Dr.-Ing. Dr. Nathaniel Westermeier (?-1945), Hochschulprofessor an der TH Prag
  • DI Karl Wimmer (?-1930), Direktor der Kaffee HAG-Werke, Miterfinder des Entkoffeinierungsverfahrens von Kaffee
  • Dr. Gerhard Hofecker (*1940), Tierarzt, Universitätsprofessor an der Veterinärmedizinischen Universität Wien
  • Karl Hermann Wolf, (1862-1941), Publizist, Abgeordneter zum österreichischen Reichstag und böhmischen Landtag, Mitglied der Provisorischen Nationalversammlung