DB - Deutsche Burschenschaft

Die Insignien der Urburschenschaft (Quelle: Deutsche Burschenschaft)
Das Wappen der Deutschen Burschenschaft (Quelle: Deutsche Burschenschaft)

Vor fast zwei Jahrhunderten begann in Jena die Geschichte der Burschenschaft als revolutionärer Bewegung für die Freiheit  und Einheit der deutschen Nation, gegen feudale Kleinstaaterei, für Meinungsfreiheit und Mitbestimmung des Bürgers in der Politik.

Die am 12. Juni 1815 in Jena gegründete sogenannte Urburschenschaft war der Zusammenschluß Jenaer Studenten, die an den Befreiungskriegen gegen Napoleon und die französische Unterjochung des deutschen Vaterlandes teilgenommen hatten und sich nun den Beschlüssen des Wiener Kongresses widersetzten, welche eine Zersplitterung Deutschlands in 38 Kleinstaaten festgeschrieben hatten.

Durch die Zielsetzung der Öffnung der Politik für den Bürger ebenso wie die der Einheit Deutschlands setzte man sich bewusst in Gegensatz zur Obrigkeit und zum bestimmenden

Kopf damaliger deutscher und europäischer Politik, Fürst von Metternich. Das bekamen die Burschenschaften früh zu spüren, denn nachdem man die Ziele in die Öffentlichkeit getragen hatte, kam es zu massiven Verfolgungen bis hin zu Verboten und Verhaftungen. Nichtsdestotrotz hielt man an den demokratischen Grundsätzen fest und überstand mal öffentlich mal im Untergrund jede Verfolgung um dann im Jahre 1848 maßgeblich an der Revolution gegen das obrigkeitsstaatliche Denken beteiligt zu sein und einen Großteil der Abgeordneten der verfassungsgebenden Frankfurter Nationalversammlung zu stellen.

Die Burschenschaften hatten sich von Anfang an zum Ziel gesetzt ihre Mitglieder zu verantwortungsbewussten Bürgern auszubilden. Daher stand die politische Bildungsarbeit immer im Vordergrund des Gemeinschaftslebens. Man unternahm Exkursionen, veranstaltete Vortragsabende und Seminare, um freie, sittliche und opferbereite Persönlichkeiten heranzubilden, in deren Handeln das Volk und die Verantwortung des Einzelnen gegenüber dem Ganzen die entsprechende Rolle spielen sollten.

Im ersten Weltkrieg nahmen Tausende von jungen Burschenschaftern teil, die für ihr Vaterland ins Feld zogen. Daheimgebliebene Verbandsbrüder versuchten auf andere Art und Weise ihren Anteil zu leisten, sei es durch die Einrichtung von Lazaretten in den Burschenhäusern, in der Verwundetenpflege, der Flüchtlingsfürsorge oder der Jugendpflege.

Bei den nach Ende des Krieges aufflackernden Grenzlandkämpfen in Kärnten. der Steiermark und Schlesien, sowie bei der Bildung von Freikorps waren wiederum Burschenschafter maßgeblich beteiligt.

Die Übernahme der Regierungsgewalt durch den Nationalsozialismus bedeutete für die Burschenschaft einen schweren Einschnitt. Schon im Jahre 1932 war es zwischen der Deutschen Burschenschaft und dem 1926 gegründeten NSDStB, dem Studentenbund der NSDAP, zum offenen Streit gekommen. Man hatte es in der Burschenschaft jedoch versäumt, rechtzeitig eine geschlossene Abwehrfront unter den Verbindungen gegen die Gleichschaltungstendenzen der Partei zu bilden und sah sich jetzt, auch aufgrund von innerer Uneinigkeit, außerstande, dem nationalsozialistischen Apparat ein Gegengewicht entgegenzusetzen, so dass es 1935 zur Auflösung der Deutschen Burschenschaft im Reich und 1938 der Burschenschaft der Ostmark kam.

Nach dem Zusammenbruch 1945 standen die Burschenschafter vor einem Neubeginn. Viele waren gefallen oder saßen in Gefangenenlagern; nur allmählich konnten die Bundesbrüder untereinander Kontakt aufnehmen. 1949 kam es zur ersten überregionalen Fühlungnahme von wieder errichteten burschenschaftlichen Verbindungen und im Jahre 1950 konnte in Anlehnung an das Gründungsdatum 12. Juni 1815 in aller Form die Wiedergründung der Deutschen Burschenschaft mit zunächst 67 Mitgliedsburschenschaften auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland erfolgen. In einer Satzungsreform im Jahre 1971 ist der Verband dann auch wieder für Burschenschaften aus Österreich geöffnet worden. Auch heute noch vertritt die Burschenschaft und damit auch der einzelne Burschenschafter die Ideale der Urburschenschaft, die sich verkürzt im Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft  wiederfinden:

Ehre, Freiheit, Vaterland

Diese Ideale sind Grundwerte, die keinem ständigen Wandel unterliegen. Sich zu ihnen zu bekennen, bedeutet oft genug, allen Anfeindungen zum Trotz nicht den bequemen Weg der Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist zugehen. Der innere Aufbau der burschenschaftlichen Verbindungen, in denen sich die Prinzipien des miteinander und voneinander Lernens im Geiste gegenseitiger Achtung widerspiegeln, ist gelebte Demokratie seit 1815. Auf ihren regelmäßigen Zusammenkünften, den sogenannten Konventen oder Räten, regeln die Mitglieder alle Angelegenheiten ihrer Gemeinschaft, wobei jede Stimme das gleiche Gewicht hat.  Diese demokratische Struktur setzt sich in allen Gremien der Burschenschaft bis hin zum obersten Organ des Verbandes, dem jährlich einmal tagenden Burschentag, fort. Die Demokratie ist allgegenwärtiges Prinzip des Umgangs miteinander im Freundeskreis, bei Vorträgen, Diskussionen und vielen anderen Gelegenheiten. Dies ist ein Stück Schule für das Leben.

Wegbereiter, Förderer, Gründer und bekannte Mitglieder der Deutschen Burschenschaft

Die Burschenschaften haben ihren Ursprung in der am 12. Juni 1815 in Jena gegründeten Burschenschaft, der sogenannten "Urburschenschaft". Ihr Ziel war es, die nationale Einheit aller Deutschen zu erlangen und die Befreiung von obrigkeitsstaatlichem Regiment zu erreichen. Im Laufe der burschenschaftlichen Geschichte gilt es zahlreiche Burschenschafter zu nennen, die nachstehend in einer umfassenden Übersicht dargestellt werden sollen.

In dieser Übersicht werden die geistigen Wegbereiter, die liberalen Förderer sowie die Gründer der Burschenschaft vorgestellt. Zusätzlich bietet diese detaillierte und bislang einmalige Übersicht weitere bekannte Burschenschafter; hierzu zählen Parlamentarier, Politiker, Verwaltungsbeamte, Mediziner, Naturwissenschaftler, Erfinder, Ingenieure, Unternehmer, Geographen, Forschungsreisende, Dichter, Schriftsteller, Publizisten, Historiker, Politikwissenschaftler, Literaturwissenschaftler, Philologen, Pädagogen, Philosophen, Theologen, Nationalökonomen, Juristen, Soziologen, Künstler, Sportler sowie Burschenschafter aus dem Militär und dem deutschen Widerstand.

Bekannte Burschenschafter
Die uns heute vertraute lebenslange Mitgliedschaft in einer studentischen Korporation gibt es erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Einige der im folgenden genannten Verstorbenen zählten nur kurzfristig zu einer Burschenschaft (z.B. Lenau oder Lorenz von Stein), andere sind früh (z.B. Heine) oder erst in späteren Jahren (z.B. Max Weber oder Höpker-Aschoff) wieder ausgetreten bzw. erst im fortgeschrittenen Alter Ehrenmitglieder geworden (z.B. Esau, Jelusich, Rollett, Schuselka und Uhland). Bei manchen ist eine formale Zugehörigkeit zur Burschenschaft nicht genau nachweisbar (z.B. Franz Schubert), andere können auch als Corpsstudenten angesehen werden (z.B. Hecker, Jacoby oder von Simson); die Abgrenzungen waren früher fließender als heute.

Literaturhinweise

Nähere Angaben und weitere Biographien von Burschenschaftern in: Helge Dvorak, "Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft", Band 1 "Politiker", Teilbände 1-6 (1996-2005), Peter Kaupp, "Burschenschafter in der Paulskirche" (1999) und Horst Grimm/Leo Besser-Walzel, "Die Corporationen" (1986, mit z. T. fehlerhaften Angaben).

Weiterführende biographische Angaben in: Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich (1856-1891); Allgemeine Deutsche Biographie (1875-1912); Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz (1921-1934); Neue Österreichische Biographie (ab Bd. 10 Große Österreicher, 1923 ff.); Große Jüdische National-Biographie (1925-1936); Neue Deutsche Biographie (1957 ff.); Deutscher Biographischer Index (1986 ff.) und Deutsche Biographische Enzyklopädie (1995-2000).

Die Wahrzeichen und Denkmäler der Deutschen Burschenschaft

Das Burschenschaftsdenkmal auf der Göpelskuppe in Eisenach (Quelle: Deutsche Burschenschaft)
Historische Postkarte des Burschenschaftsdenkmals in Eisenach (Quelle: Deutsche Burschenschaft)
Der Burschenschafterturm in Linz (Quelle: Wikipedia, Fotograf: Dralon)
Der Stein der Deutschen Burschenschaft an der Langemarckgedenkstätte
Die Wartburg in Eisenach
Die Heinrich von Gagern Gedenktafel (Quelle: Deutsche Burschenschaft)
Das Burschenschafter- denkmal in Jena (Quelle: beide www.blauenarzisse.de)
Wappen und Inschrift auf dem Burschen- schafterdenkmal in Jena

Luftbilder von dem Burschenschaftsdenkmal und der Wartburg



Rudolf Baumbach - Der Dichter des Burschenschafterliedes; er selbst war Corpsstudent. Hans Treidler, der Chormeister des Wiener Akademischen Gesangsvereins, vertonte das Lied.

Das Burschenschafterlied

Ehre - Freiheit - Vaterland

Schwört bei dieser blanken Wehre, schwört, ihr Brüder, allzumal:
Fleckenrein sei unsre Ehre, wie ein Schild von lichtem Stahl.
Was wir schwuren, sei gehalten treulich bis zur letzten Ruh';
Hört's, ihr Jungen, hört's, ihr Alten, Gott im Himmel, hör's auch du!

Freiheit, duft'ge Himmelsblume, Morgenstern nach banger Nacht!
Treu vor deinem Heiligtume stehn wir alle auf der Wacht.
Was erstritten unsre Ahnen, halten wir in starker Hut;
Freiheit schreibt auf eure Fahnen, für die Freiheit unser Blut!

Vaterland, du Land der Ehre, stolze Braut mit freier Stirn!
Deinen Fuß benetzen Meere, Deinen Scheitel krönt der Firn.
Laß um deine Huld uns werben, schirmen dich in unsrer Hand;
Dein im Leben, dein im Sterben, ruhmbekränztes Vaterland!

Schwenkt der Schläger blanke Klingen, Hebt die Becher, stoßet an!
Unser Streben, unser Ringen, aller Welt sei's kundgetan.
Laßt das Burschenbanner wallen, haltet's hoch mit starker Hand,
Brausend laßt den Ruf erschallen: Ehre, Freiheit, Vaterland!