Das "Libertenhaus" in Brünn

In diesem Haus in Brünn in der Talgasse 11 besaß die Burschenschaft Libertas eine Etage. Das Bild zeigt das Haus im Jahr 1966, in durchaus akzeptablen Zustand.

Das Libertenhaus in Aachen

Gartenseite, Zustand um 1900/10
Querschnitt
Nordfassade

Die "Villa vom Hofe"

Ein Jahr nach der Fertigstellung der Villa Marienhöhe entsteht mit dem Wohnhaus für den Maschinenfabrikanten L. vom Hofe in den Jahren 1875/76 der zweite Villenneubau am Muffeter Weg, einer damals noch unbefestigten Strasse, die vom Königstor nach Vaals führte. Am 18. August 1875 erhielt L. vom Hofe von der Aachener Baubehörde die "Erlaubnis zur Errichtung eines Wohnhauses", nachdem der Königliche Bauinspektor Heinrich F. Mergard die Entwurfszeichnung des bauausführenden Maurermeisters H. J. Sieprath revidiert hatte.

Der zweigeschossige , vollunterkellerte Putzbau der "Villa vom Hofe", der in den 70er Jahren unseres Jahrhunderts modernisiert wurde, war über einem fast 200 m² großen Rechteck konzipiert, das durch Mauervorsprünge sowie zwei Mittelrisalite auf den Längsseiten und einem kleinen Eckturm über quadratischer Grundfläche erweitert wurde. Von Norden führte eine Freitreppe über das flach geneigte Gelände, das bis auf das Niveau der Eingangsebene rund um das Gebäude angeschüttet worden war, in eine etwa 20 m² große Halle, die die Breite des Mittelrisalits einnahm und die vier eingeschossigen Räume sowie das seitlich angeordnete Treppenhaus erschloss. Mit Ausnahme des großen Wohnraumes, der sich im Südwesten in ein kleines Turmzimmer öffnete, wiederholte H. J. Sieprath in der ersten Etage die Grundrisskonzeption des Eingangsgeschosses; so gelangte man wiederum von dem im Norden gelegenen Flurraum in fünf, fast gleich große Schlafzimmer, dier teilweise als sog. "gefangene" Räume angelegt waren.

Der einfachen räumlichen Aufteilung im Innern entsprach die schlichte äußere Gestaltung der "Villa vom Hofe". Der geputzte Außenbau setzte sich sich aus einem traufständigen, dreiachsigen Baukörper zusammen, der in Fortsetzung der Grunrisskonzeption durch Mittelrisalite auf den Längsseiten sowie einem Eckturm auf der südlichen Giebelwand erweitert wurde. Der vertikalen Achsengliederung der Segment- und Rundbogenfenster, die in der "Beletage" durch Pseudo-Archivolten geschmückt wurden, stand als bestimmendes horizontales Gestaltungs- und Gliederungselement ein umlaufender Balkon gegenüber, der von profilierten Holzsäulen getragen wurde; dabei verdeckte H. J. Sieprath die statisch erforderlichen Knaggenund Kopfbänder mit einem hölzernen Zierwerk, das er als Schmuckmotiv an den überstehenden Giebeldachflächen der beiden Mittelrisalite wiederverwandte.

(Quelle: DAUBER, R. (1994): Aachener Villenarchitektur - Die Villa als Bauaufgabe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, 234 S., Bongers Verlag, Recklinghausen)

 

Die "Villa vom Hofe" wandelt sich zum Libertenhaus

Am 18. Juli 1958 wurde die Brünner Burschenschaft Libertas auf dem Haus der der Aachener Burschenschaft Alania wieder eröffnet. Diese erfreuliche Tatsache, die nicht zuletzt auf die tatkräftigen Bemühungen unseres Ehrensprechers E. G. Schmidt zurückzuführen ist, machte es notwendig eine angemessene, dauerhafte "Unterkunft" für die Liberten zu finden. Bereits am 2. Februar 1958 wurde der Verein "Studentenwohnheim Brünn e.V. gegründet"; sein erster und langjähriger Vorsitzender war Tom Kästner, ein Alter Herr der Kölner Burschenschaft Alemannia, und gleichzeitig einer unserer Gründungsburschen in Aachen. Dank den unermüdlichen Bemühungen Tom Kästners und in Verbindung mit unserem späteren EAH Jo Peters gelang es am 23. November 1960 den Kaufvertrag für das Haus im Muffeter Weg 15 abzuschließen. Aber es gelang auch nur, weil dafür sechs Bundesbrüder durch die Übernahme persönlicher Bürgschaften ein großes Risiko eingingen. Am 3. Januar 1961 konnten die Schlüssel des Hauses übernommen werden, und nach einem umfassenden Umbau unter Beteiligung aller tatkräftigen Helfer wurde es noch im selben Wintersemester bezogen.

Der grundsätzliche Zustand des Hauses machte eine komplette Sanierung jedoch unumgänglich. Es war eine Krönung der Tätigkeit des unvergessenen Dreigespanns Erich Sudasch, Willii Sieprath und Fedor Pollmar, dass es in einer fast übermäßigen Kraftanstrengung gelang, in den Jahren 1976 bis 1978 das alte Gemäuer von grundauf umzubauen zum heutigen repräsentativen Libertenhaus. Diese materiellen Anstengungen rechtfertigten sich dadurch, dass die Arbeit der Burschenschaft Libertas in Aachen von ihrem sechsten Farbensemester an, dem Sommersemester 1961, ein neues Gesicht bekam; denn nun hatte sie ein eigenes Heim in ihrer neuen Wahlheimat.

In den späten 1990er Jahren fanden zuerst nur kleinere Sanierungsarbeiten statt, die sich bis heute (2009) weiter fortsetzen. Die grundsätzliche Bausubstanz des Hauses ist als durchaus solide zu bewerten, dennoch ergeben sich immer wieder Baustellen, die aufgrund des Alters des Libertenhauses jedoch auch nicht außergewöhnlich sind. Zuletzt konnten durch die finanzielle Unterstützung der Altherrenschaft die kompletten Bäder auf allen Etagen saniert werden, die Aktivitas leistete ihren Beitrag zur Renovierung indem sie die Abbrucharbeiten vornahm; weitere Sanierungsarbeiten werden diesen sicher folgen. Derzeit befinden sich auf dem Haus insgesamt 11 Buden, die sowohl von Bundesbrüdern als auch von Gästen bewohnt werden.

Das Libertenhaus war und ist nicht nur Ausgangs- und Kristallisationspunkt der Arbeit ihrer Mitglieder, sondern schafft auch im Zusammenleben ihrer jüngsten Mitglieder die feste Grundlage für eine dauerhafte bundesbrüderliche Gemeinschaft.

 

Zeichnung (erstellt durch das Werbeatelier Obertz)